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Pressemitteilung zum Tag der menschenwürdigen Arbeit 2025
Berlin, 07.10.2025
Zum Internationalen Tag der menschenwürdigen Arbeit hat das Berliner Beratungszentrum für Migration und Gute Arbeit BEMA heute zu einem Aktionstag unter dem Motto „Keine Minute umsonst – Dokumentiere deine Arbeitszeit!“ eingeladen. Beim Pressegespräch um 10 Uhr vor dem Roten Rathaus diskutieren Vertreter*innen aus Verwaltung, Gewerkschaften und der Beratungsarbeit über die Bedeutung der Arbeitszeiterfassung – insbesondere für migrantische Beschäftigte in prekären Arbeitsverhältnissen.
Das BEMA berät Migrant*innen in Berlin zu Arbeits- und Sozialrechten. Viele Ratsuchende berichten von extremen Arbeitszeiten – teils über zehn Stunden täglich und mehr als 60 Stunden pro Woche. Ein zentrales Problem bleibt, dass Beschäftigten häufig das Wissen über ihr Recht auf Arbeitszeiterfassung fehlt. Der Europäische Gerichtshof urteilte schon 2019, dass Arbeitgeber verpflichtet sind, eine zugänglich Arbeitszeiterfassung sicherzustellen. Eine gesetzliche Verankerung dessen fehlt bis heute.
Svenja Ketelsen, Fachbereichsleitung Migration und Gute Arbeit (Berlin) bei Arbeit und Leben Berlin-Brandenburg, eröffnet den Aktionstag und betont:
„Wir nutzen den Aktionstag bereits seit 7 Jahren, um auf Probleme hinzuweisen, die sonst oft übersehen werden. Nur wer die Arbeitszeit dokumentiert, hat gute Chancen, unbezahlte Löhne geltend zu machen. Die Dokumentation ist ein starkes Instrument, um Arbeitsrechte durchzusetzen.“
Daniel Wucherpfennig, Regionsgeschäftsführer des DGB Region Berlin, stellt klar, dass die aktuellen Pläne der Bundesregierung zur Veränderung des Arbeitszeitgesetzes zu Lasten der Beschäftigten geht:
„Der 8-Stunden-Tag ist keine Bürokratie, kein Auslaufmodell. Er ist genauso wie der freie Samstag und die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall eine gewerkschaftliche und gesellschaftliche Errungenschaft. Zum einen es gibt längst flexible Lösungen in Tarifverträgen, die wir gemeinsam mit den Arbeitgebern ausgehandelt haben. Im Jahr 2024 haben 4,4 Millionen Arbeitnehmer*innen mehr gearbeitet als in ihrem Arbeitsvertrag vereinbart war. Und jede*r Fünfte von ihnen hat diese Mehrarbeit sogar unbezahlt geleistet.“
Im Anschluss erläutert Dr. Robert Rath, Direktor des Landesamts für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit Berlin (LaGetSi), warum die Dokumentation der eigenen Arbeitszeit auch zentral für den Schutz von Gesundheit und Rechten ist:
„Die Arbeitszeit ist wichtig: Von der Zahl der Arbeitsstunden hängt nicht nur ab, wie viel man verdient. Die Arbeitsstunden bestimmen auch, wann man nicht arbeiten muss. Wenn der Arbeitgeber die Höchstgrenzen, die Pausen und die Ruhezeiten nicht ausreichend gewährt, drohen ihm empfindliche Bußgelder, wenn das LAGetSi davon erfährt. Nur wer seine Arbeitszeit selbst erfasst, kann nachweisen, was ihm zusteht – an Entgelt, an Pausen und an Ruhezeiten. Darum: Tag für Tag Anfang, Ende und Dauer der Arbeitszeit dokumentieren!“
Im Anschluss an das Pressegespräch informieren Berater*innen des BEMA gemeinsam mit Gewerkschaftsvertreter*innen Beschäftigte in der Bau-, Reinigungs- und Gastronomiebranche direkt an ihren Arbeitsplätzen. Sie klären über Rechte auf, geben praktische Tipps zur Arbeitszeitdokumentation und verteilen den neuen Arbeitszeitflyer, der ab sofort in sechs Sprachen erhältlich ist.
Svenja Ketelsen fasst zusammen:
„Es ist wichtig, dass Deutschland das Urteil des Europäischen Gerichtshofes konkretisiert und eine klare gesetzliche Regelung für die Erfassung der Arbeitszeit umsetzt.“
Das BEMA wird gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung (SenASGIVA).
Zum Arbeitszeitflyer: https://bema.berlin/flyer-und-materialen/